Wie bereits im Vorjahr stattete ich dem Stilfserjoch in diesem Spätsommer/Frühherbst wieder einen Besuch ab. Nach dem Skitag einige Tage zuvor am Hintertuxer Gletscher, der zweite Schneekontakt meiner diesjährigen Alpen-Herbsttour. Im Vergleich zum Hintertuxbesuch gab’s am Stelvio endlich richtigen Sommerski, brettharte Pisten am Morgen, Firn und Sulz samt Bächen und Pfützen am Nachmittag.
Quickfacts:
Geöffnete Anlagen: Alle (noch vorhandenen)
Geöffnete Pisten: Alle außer Talabfahrt zur Passhöhe, jedoch wie gewohnt weite Pistenteile durch Rennmannschaften blockiert. Es verblieb aber immer ein mehr als ausreichend breiter Pistenrand.
Wetter: Auf der Passhöhe am Morgen um 0°C, später bis über 10°, im Skigebiet je nach Höhenlage um den Gefrierpunkt. Dazu Sonnenschein mit durchziehenden Schleierwolken.
Schneelage: Oben ausreichend Neu- und Altschnee. Am Einstieg Geisterlifte Pfützen, Bäche und wenige kurze, ölig glitzernde Blankeisstücke, welche sich noch umfahren ließen.
Pistenzustand: Zunächst Eisig, später firnig, unten sulzig. Am Einstieg des Geisterliftes (unten) auch ein paar Steine.
Wartezeiten: Geisterlift Talstation keine, Geisterlift Zwischeneinsteig 5-10 Minuten, Payerlift 0-5 Minuten, Cristallolift 0-2Minuten
Erstmals habe ich zur Anfahrt die Rampe von Bormio aus genommen. Zwar vermisse ich von hier aus ein wenig den Blick auf die Gletscherzungen, ansonsten ist die Ostrampe aber nur wenig unspektakulärer als die Westanfahrt.
Bei der Ankunft an der Passhöhe dann das übliche Bild, bereits viele Rennfahrer oben, darunter sogar weitangereiste aus den USA und Schweden. Mit ein bisschen Suchen ging’s fand sich aber auch ein Parkplatz in relativer Seilbahnnähe. Hier ein Blick von der Talstation der unteren Seilbahnsektion aus den Bereich der Talabfahrt. Interessant ist auch hier, das einige Altschneefelder den Sommer überdauert haben.
In der PB zum Tricerone. Meine nicht forumlesende Begleitung sagte etwas von DDR-Charme
Blick zurück zur Passhöhe. Verkratzte Scheiben gibt’s auch andernorts, hier müssen sie aber so sein!
Weiter in der nicht weniger verkratzten Weltneuheit zum Livrio, die Zunge des Ebenferners ist weitgehend wieder blank. Die Abfahrt zur Mittelstation aber möglich, allerdings auf "neuer" eher ziehweglastiger Strecke (vgl. obere und untere Raupenspur) teils über steinige Altschneereste. Der Weg Bergauf entfällt durch die neue Führung jedoch weitestgehend.
Nicht zu vergessen, der Blick zurück zum Tricerone - diesmal durch die unzerkratzte Fensterluke. Hier ist der Abfahrtsrest ganz gut zu erkennen. Den Nagler Lift haben sie übrigens samt Bergstation platt gemacht
Erster Blick zu den Geisterliften. Am unteren Ende hat man den Schnee zusammengeschoben, so dass nur wenige Blankeisstellen zum umfahren sind. Spätestens ab dem Zwischeneinstieg also gute Verhältnisse auf schönem weißen, also neuem Schnee. Ob hier, wir woanders geschrieben, wirklich vermattet wurde wage ich zu bezweifeln.
Zoom zur Abfahrt an den Geisterliften. Erstmal fällt die lange Schlange ins Auge, dank schnellem Lift ist man aber in der Regel in 5min dran. Dazu links RTL-Training, rechts Abfahrt fürs Publikum und daneben SL-Training. Zusätzlich gibt’s noch eine breite Umfahrung fürs Publikum.
RTL-Strecken.
Die ersten Meter der Geisterlifte gleichen einer flachen Abfahrt. Es ist ratsam auf den Bügel zu achten - zwischen den Beinen bleibt er nur ungern. Beachtlich auch wieder die Eishügel unter den Stützen - seit dem letzten Jahr hat man hier offensichtlich garnix verändert. Trotzdem, ein recht gutes Jahr für den Gletscher. Weiter als bis zum Zwischeneistieg ist das Eis offensichtlich nicht ausgeapert.
Nun aber ab auf die Piste. Ab dem Zwischeneinstieg ist dann endlich auch unaufmerksames Liften möglich - zumindest abgesehen vom Ausstiegsbereich des rechten Liftes. Hier ist es ratsam auf Zack zu sein.
RTL-Strecken vorm noch sommerlichen Etschtal.
Gegen 11 dann noch schnell rüber zu Payer- und Cristallolift. Mittagspause heute ab 12:40 danach, ab 13:40 nur noch Betrieb am Geisterlift - zumindest laut Plan. Tatsächlich liefen die Geisterlifte samt dem Payerlift durch.
Payerlift in kompletter Länge & Abfahrt Cristallo. Payer schaut wesentlich flacher aus, als er ist - wobei wirklich steil
Ausstiegsbereich Payer. Weiterhin unverändert kritisch, die letzten Meter in der Spur sind bereits der Marke Eierzwicker. Am Ausstiegspunkt ist es wichtig den optimalen Punkt zu treffen - sonst gehts ins Auge, abheben inklusive. Wobei in die Luft geht’s bei mangelder Größe und Gewicht sowieso.
Einstiegsbereich Payer mit stark gelblich verfärbtem, Sahara-Altschnee.
Schwenk zum Cristallolift samt typisch Stelviomäßig verbogenen Liftstützen.
Abfahrt am Cristallo. Von den Schneeverhältnissen her bei weitem die beste Abfahrt am Morgen. Fast noch pulvrig - leider der flachste Hang im Gebiet.
Nachdem sich das Hintere Skigebiet gegen 12:30 schnell leerte, machten auch wir uns via Payerlift auf zur Mittagspause im Livrio
Abfahrt Geisterlift.
Auf also zur hektisch-trashigen Mittagspause im Livrio - so isse Italia!
Wie das Hotel seine 3*** bis heute behalten konnte ist mir ein absolutes Rätsel. Nichtmals nach Geschlechtern getrennte Toiletten sind vorhanden....
Wind und Wetter haben ihre Spuren hinterlassen.
Die bisher, mit 5€ teuersten Fritten meines Lebens - ohne alles versteht sich. Dazu aber wenigstens leckere schwarze Krüstchen aus dem sicherlich viele Tage altem Fett. Da half aus die Fliege am Kragen der Bedienung wenig.
Bevor es wieder zum Skifahren ging, ein Paar Zooms in die Umgebung.
Ortler mit oberen Ortlerferner.
Eisstrukturen im Madatschferner. Deutlich sind die Staubablagerungen auszumachen.
Weißkugel.
Wildspitze?
Piz Palü und Palügletscher.
Piz Bernina & Biancograt.
Nun aber zum Nachmittagsbetrieb am Ebenferner.
Einstieg Geisterlift mit lecker rußigen Eisflecken. Wer weiß wie lange es dauert bis man sich hier eine neue Alternative überlegt denn ohne menschliches zutun ist der aktuelle Zustand nicht mehr lange zu halten.
Weiterhin viel Betrieb an den Geisterliften - viele Mannschaften rückten nicht ab. Überraschend lief auch weiterhin der Payerlift.
Am Geister II weiterhin jeder Bügel besetzt. Das Erreichen der Talstation wollten sich die meisten, wie auch ich, dank Matsch, Eis und Pfützen nicht mehr antuen. Ensprechend groß das Gedrängel am Zwischeneinstieg. Hier drückten von rechts/links/hinten/unten usw. Bambini Stangerlfahrer - So isse!
Livrio mit dem beinahe blanken Teil des Ebenferners.
Irgendwann wurds dann zu bunt, das Chaos am Zwischeneinstieg zu groß. Der Skitag also zu Ende. Rückblick zu den Geisterliften.
Styroporklötzchen halten die Fenster im Funifor Liviro-Trincerone in der Kabine (?), wenn das der deutsche TÜV wüsste
Über die Ostrampe ging’s dann abschließend ins Etschtal zur nächsten Station des Herbsturlaubs. Skitechnisch war dies aber der letzte Einsatztag.
Hat wieder mal viel Spaß gemacht am Stelvio auch dank Wetter und Schneeverhältnissen.