Nach den Vortagen am Pitztaler Gletscher und der Zugspitze, verbrachte ich mein persönliches Saisonfinale, auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, am Kaunertaler Gletscher. Für mich ein Erstbesuch in diesem Skigebiet.
Wetter: Wolkig mit wenigen Sonnenlücken, teilweise durchziehende Wolkenfetzen. Oberhalb 3000m um 0°C, darunter Temperaturen im positiven Bereich.
Schneelage: recht wenig laut Homepage 80-180cm, dort wo viel verblasen wurde auch weniger - ingesamt erschreckend wenig für die Jahreszeit.
Pistenzustand: Firn, Ochsenalm auch Sulz
Wartezeiten: Nörderjoch I wegen Stangerlfahrern bis 5min, sonst keine
Geöffnete/geschlossene Anlagen/Pisten:
4KSB Ochsenalm I, 4KSB Ochsenalm II, 2SL Nörderjoch I, 2Sl Nörderjoch II, 2Sl Weißseeferner I, 2Sl Weißseeferner II, 2Sl Falgin, 8EUB Karlesjochbahn
Beste Abfahrt: Ochsenalm I, Nörderjoch I
Schlechteste Abfahrt: Karlesjochbahn (Nebel), Ochsenalm II (teils wenig, teils stumpfer Schnee)
Gefallen: Ganz nettes Skigebiet mit schöner Lage
Nicht Gefallen: Wetter, Stangerlfahrer
Nähere Infos im folgenden Text, der aufgrund meines Erstbesuches und der damit verbundenen, neuen Eindrücke vermutlich etwas ausführlicher ausfallen wird.
Auf dem Weg zum Kaunertaler Gletscher - hier kurz vor der Staumauer des Gepatschspeichers. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit. Die Sorge meinerseits, aufgrund der warmen Temperaturen und der hier im Forum kursierenden Lawinengefährdung der Gletscherstraße erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Die fortgeschrittene Jahreszeit und die geringe Schneelage dürfte wohl bereits fast alle potentiellen Lawinenhänge von ihrer Last befreit haben.
Spuren eines Lawinenabgangs - aber nicht der Grund warum ich dieses Foto geschossen habe, da gäbs weit spektakulärere Eiswände oberhalb des Sees. Ich finde die Straße ist, für eine Mautstraße in ziemlich schlechtem Zustand. Glaube kaum, dass alle Schäden alleine aus diesem Winter stammen.
Blick auf den sich gerade wieder füllenden Stausee vom bergseitigen Ende. Eindrucksvoll ist die Gletscherstraße ja schon, nur Gegenverkehr auf Stauseehöhe scheint nicht gerade der Hit zu sein. Blieb mir aber erspart.
Gletscherstraße oberhalb des Stausees im Anstieg zum Weißseeferner. Teilweise geht es recht spektakulär an hohe Schneewänden vorbei. Soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schneehöhe, vielleicht abgesehen von einigen, von Verwehungen profitierenden Bereichen, eher gering ist.
Übersicht geöffneter und geschlossener Anlagen am Morgen - wie schon am Vortag auf der Zugspitze und bei Widdi's Kaunertalbesuch vor 12 Tagen stimmt die Anzeige nicht....
So was finde ich immer extrem Kundenunfreundlich zumal mal es am Kaunertaler auch direkt sehen kann....
SL Falgin den ganzen Tag außer Betrieb, sogar schon abgebügelt und klar zum Vermatten - wie auf laut Anzeige. SL Nörderjoch II und Karlesjochbahn gingen erst gegen Mittag in Betrieb. Warum kann ich nicht beantworten. Möglicherweise aufgrund des böigen Windes - könnte man jedoch auf den LED Anzeigen und Laufbändern auch mal kundtun. Eigentlich ein Fall von Betrug, ich überlege mit ja auch nicht nachträglich, bei Kartenzahlung, dass der Skipass nun weniger Wert war...
Sodann - auf zum Skifahren. Der letzte Saisontag wartete (zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt). Also zunächst mal mit den Weißseefernerschlepper bergauf. Wahrscheinlich neben dem Brunnenkogelschlepper am benachbarten Pitztaler Gletscher der längste Schlepper, den ich je gefahren bin. Kurios: auf der Gesamtlänge vielleicht auf einer der flachsten (durchschnittliche Neigung), auf den letzten Metern möglicherweise auch einer der steilsten. Das Bild zeigt die Liftanlage beinahe auf Gesamter Länge. Bei genauerem Hinsehen ist auch der Zwischeneinstieg, der nur den oberen, etwas steileren Pistenabschnitt bedient, sichtbar.
Abfahrt Weißseeferner, am Ende des besagten "Steilstückes". Unschwer zu erkennen, großes Vorkommen von Stangerlfahrern die etwa 1/3 der gesamten Pistenfläche (auf das Gesamtgebiet bezogen) für sich beantspruchten. Das übliche Gedrängel der jüngeren Generation am Lift blieb deshalb nicht aus. Einmal flog ein etwas übermütiger Nachwuchsfahrer nach verunglückten Bremsmanöver gar in die Schlange - Tss...
Gleicher Standort, etwas gezoomt der Zwischeneinstieg Weißseeferner. Dahinter die Bergstation Ochsenalm sowie die Talstation Karlesjoch - die Gondel noch immer außer Betrieb.
Weißseeferner, etwas weiter unten.
Rückblick zur oberen Hälfte der Slte Weißseeferner - mit fast 2SK Schleppstrecke nicht von schlechten Eltern.
Stützenloser Steilhang und Ausstieg. Gletscher wird hier bald keiner mehr sein bzw. wäre ohne aufwändige Vermattung wohl ohnehin nicht mehr. Fand das Steilstück eigentlich gar nicht so schlimm - bin aber auch nie allein gefahren. Wieso gibts dort eigentlich keine direkte Abfahrt?
Schneelage anhand einer Schleppliftstütze dokumentiert. Darunter ist nur mehr die Kralle der Gletscherstütze - eigentlich liegt also fast kein Schnee (zumindest an dieser Stelle). Wird wohl wieder ein ganz bitterer Sommer für den Gletscher werden.
Weiter geht’s über die "Talabfahrt" zur Talstation der Ochsenalmbahn - für mich die schönste Abfahrt am Kaunertaler Gletscher. Zwar ist die Abfahrt in der Regel eher flach, die kurzen mittelschweren Stücke gehen höchstens soeben als rot durch, aber das muss ja nichts schlechtes sein. Hier übrigens etwas unterhalb des derzeitigen Zungenendes. Vor allem rechts erkennt sind die einstigen Ausmaße des Gletschers anhand der Seitenmoräne noch gut zu erkennen.
Talstation Ochsenalm I mit letzten Metern der Abfahrt. Schnee war teils schon knapp, Steine gab’s aber nur vereinzelt. Bei der ein oder anderen Stelle hatte ich eigentlich den Fels/Steinkontakt schon eingeplant - ist aber dann doch nicht passiert. Müßig zu erwähnen, dass der Schnee vor allem unterhalb der Mittelstation bereits arg tief war - wohl auch deshalb wars hier auch schön leer
Mittelstation Ochsenalm - übrigens genau in der Zungenende des Weißseeferners von 1850 gebaut. Die Abfahrt bis dorthin war nicht ganz so Sulzig, vom Schnee her noch nicht wirklich knapp, allerdings als einzelne Abfahrt dann doch etwas kurz. Mir kams zumindest so vor, als sei die Sesselbahn nicht gerade mit Volllast unterwegs gewesen.
Mittelstation Ochsenalm - die reinste Achterbahnfahrt.
Hier sind Dank Umlenkung, getrennter Zwischenein- und ausstiege mehrere 90°C Kurven zu fahren.
Gletscherstraße, davor langsam auftauender Weißsee
Zweite Sektion Ochsenalm.
Blick von der Gletscherstraße auf die zweite Sektion der Ochsenalm - dahinter, die mächtigen Seitenmoränen des Gletscherhochstandes.
Nach einer Geländekante samt Straßenquerung kommt dann wieder der Gletscher in Sicht. Hier ein Zoom zu den kunterbunten Welten der Stangerlfahrer.
Nörderjoch I - auf der linken Seite der große Stangerlfahrerbereich - rechts die öffentliche Abfahrt.
Nörderjoch I mit Gletscherbrüchen. Oben links erkennbar, Nörderjoch II noch immer außer Betrieb.
Auf der Abfahrt - fand ich eigentlich ganz nett, wenn auch ein bisschen kurz. Mit Verlängerung gen Ochsenalmtal- oder Mittelstation durchaus schön.
Nörderjoch II, schon spektakulär trassiert, wird wohl dank Gletscherschmelze nicht mehr lange gehen. Die ehemalige dritte Sektion scheint noch spektakulärer gewesen zu sein.
Gletscherski
Gletschereiszoom, da die Nordseite der Weißseespitze nicht (mehr?) ganz stabil ist sind einige Geröllschichten eingelagert.
Die Matten zum einpacken des Gletschers liegen schon bereit. Bei der aktuellen Schneelage auch dringend notwendig.
Gegen Mittag gingen dann sowohl Nörderjoch II als auch die Karlesjochbahn doch noch in Betrieb. Nörderjoch II allerdings nur für Stanglerfahrer.... Hab mich trotzdem einmal durchgemogelt. Aufgrund einiger Motzerei von hier keine Fotos
Bergfahrt in der Gondel. Der Wind piff durch die Löcher, schauklig war’s aber nicht wirklich.
Abfahrt Karlesjoch. Dank Blindflug unter der Bergstation bin ich einfach auf irgendeiner Abfahrt gelandet.
SL Falgin, bereits abgebügelt und im Sommerschlaf. Braucht man offensichtlich nur für den lukrativen Herbstbetrieb?
So, dass wars von Skitag her. Das Skigebiet selbst bietet, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nur breite, flache Gletscherautobahnen. Das war mir auch schon vorher so bekannt und daher kein Problem. Das aber gerade im flachsten Gletscherskigebiet die meisten Stangerlfahrer unterwegs sind - damit hätte ich nicht gerechnet. Noch ein paar Bilder von der Gletscherstraße bzw. Gepatschferner.
Blick zum Gepatschspeicher, die Baumgrenze liegt im Kaunertal recht hoch - dürfte nahe ober über 2000m sein - trotz Nordausrichtung.
Zunge des Gepatschferners - muss ich mir mal im Sommer anschauen. Eigentlich der flächenmäßig größte Gletscher Österreichs, wenn nicht der ins Langtauferer Tal abfließende Teil weggerechnet würde.
Zungenzoom. Schnee liegt auch hier vergleichsweise wenig.
Zoom zum Eisbruch. Sehr schön sind hier einige rötliche Saharastaubablagerungen in den Eisschichten zu erkennen.
Fernergries im Vorfeld des Gepatschferners. Hier, im 1850 noch eisbedeckten Bereich, ist ein heftig umstrittener, weiterer Stausee im Gespräch.
Vegetationsfreie, Gletscherschlifffelsen zeugen noch heute von der Gletscherausdehnung im vorigen Jahrhundert.
Schön erkennbar im Hintergrund, der Maximalstand des Gepatschferners um 1850.
Noch ein kleiner Exkurs zum Skigebiet selbst: Die Lage des Kaunertaler Gletscher ist wohl einmalig in Östereich. Hier dürfte zur Erschließung wohl der größte Gewaltakt nötig gewesen sein, was man während der winterlichen Auffahrt glücklicherweise nicht merkt - ob das im Sommer auch so ist kann ich nicht sagen. Ein kurzes Stück der Straße führt durch das sogenannte Fernergries im Vorfeld des Gepatschferners und war während des letzten Gletscherhochstandes um 1850 noch vom Eis begraben. Der Weißseeferner selbst dürfte derzeit von allen erschlossenen Gletschern am meisten leiden und schmelzen. In der trockensten Region der Ötztaler Alpen, im Großteil relativ tief gelegen, dürften die Tage bald gezählt sein. Der einst die Zunge ernährende Teil des Gletschers aus der früher mal komplett vergletscherten Nordwand der Weißseespitze erreicht an vielen Punkten kaum mehr den Gletscherboden. Der Westliche Teil des Gletschers schmilzt Jahr für Jahr für sich hin ohne Chance auf Rettung. Die geringe Schneehöhe in diesem Winter wird die Situation ganz sicher nicht verbessern.
Eigentlich hatte ich am Folgetag noch einen weiteren Skitag im Südtirol in Planung (Sulden oder Schnalstal). Aufgrund des am Morgen dann doch noch, wirklich schlechten Wetters - Regen und 0 Sicht auf den Webcams, hab ichs dann auf der Fahrt in Höhe Mals, schon weit hinter dem Reschenpass, seinlassen. So endete meine Wintersaison, welche vor 211 Tagen am Stilfserjoch begann mit insgesamt 31 Skitagen im Kaunertal - damit endet auch meine Berichterstattung für diesen Winter